Geschichte

Erzweg – Nomen est Omen

Der Name Erzweg ist aus der Bedeutung der Region als „Ruhrgebiet des Mittelalters“ heraus entstanden. Bereits in vorchristlicher Zeit wurde an einigen Stellen nach oberflächennahen Erzen geschürft. Von Pegnitz über Auerbach und Sulzbach-Rosenberg verläuft bis Amberg eine Erzachse, die den wirtschaftlichen Wohlstand der Region schon in der Frühzeit begründete.

Ein zweiter Name, der häufig auftaucht, ist das „Land der tausend Feuer“. Und das trifft ebenfalls zu, betrachtet man die zahlreichen Verhüttungs- und Schmelzstätten, Schmieden und Köhlerstellen.

Ursprünglich fand die primitive Verhüttung des Eisens am Gewinnungsort der Erze statt. Dies änderte sich im 13. Jahrhundert, als die Verhüttung in die Flusstäler verlegt wurde. Fortan wurden Blasebälge und Hämmer durch Wasser- statt durch Muskelkraft angetrieben. Entlang der Flüsse entstanden wie an einer Schnur gezogen zahlreiche Hammerwerke, die sowohl Verhüttungs- wie auch Verarbeitungsbetriebe waren.

Ausschnitt aus der Vogel´schen Karte von 1606: Über der Bezeichnung "Arzberg" sieht man zwei Knappen, die mit einer Haspel das Erz aus dem Schacht fördern.


Die Hämmer brannten Holzkohle als Energieträger in Meilern der eigenen Wälder. Als Holzlieferant dienten beispielsweise der Veldensteiner Forst, der Hirschwald oder der Freihölser Forst. Die oberpfälzer Hammerwerke waren zunächst Hüttenwerke, die Halbzeug (Halbfertigprodukte) in sogenannten Schienen herstellten. Mit der der weiteren Spezialisierung entstanden Blechhämmer, Drahthämmer und eisenverarbeitende Hämmer, die Werkzeuge bis hin zu Waffen herstellten. Auch die Bayerische Eisenstraße verbindet diese bedeutenden Zeugnisse einstiger Erztradition zwischen Pegnitz, Amberg und Regensburg.

Die Große Hammereinigung von 1387 wurde zwischen dem Rat der Bergstädte Amberg und Sulzbach und 68 Hammermeistern (Eisenhüttenbesitzern) der Oberpfalz und Nürnbergs geschlossen.


Doch Wasser war nicht nur Energielieferant, sondern auch Transportweg. Ambergs Schifffahrt ist 1034 erstmals erwähnt und wurde mit Unterbrechungen bis 1827 betrieben. Auf der Wasserstraße von Vils und Naab gelangte das Halbzeug per Schiff von Amberg über Schmidmühlen nach Regensburg. Der Wasserweg von Amberg nach Regensburg war 64 Kilometer lang. Sechs Schiffsleute reichten aus, um eine Fracht von 400 Zentnern innerhalb von 12 Stunden nach Regensburg zu bringen. Flussaufwärts wurden andere Güter, vor allem aber Salz, transportiert. Die Schiffe mussten gezogen werden. Die Vils war durch aufwändige Wasserbauten schiffbar gemacht worden.

Auch die älteste Stadtansicht Ambergs von 1583 zeigt die Schifffahrt auf der Vils. Zu sehen ist auch die mit Eisengittern verschließbare Stadtbrille.


Der Erzweg verbindet somit die Stätten einer über 1000jährigen Bergbautradition. Die Gewinnung, Verhüttung und der Handel mit dem Eisenerz sowie die Bedeutung des Landkreises als „Ruhrgebiet des Mittelalters“ ist nur noch Geschichte, doch hat sie die Region und Kultur geprägt und ihre Spuren überall hinterlassen. Maxhütte, Luitpoldhütte, Grube Leonie, Maffeischächte, Grube Luxemburg und die Förderung am Amberger Erzberg sind nur einige wenige Beispiele. Das Erz als bestimmender Faktor seit Jahrhunderten: Immer wieder stößt man auf seine Verarbeitung, auch dort, wo sich jetzt nur noch Natur ausbreitet.

Maxhütte mit Schlackenberg. Hier wurde bis 2002 Stahl erzeugt, das Erz stammte aus regionaler Förderung. Unklar ist heute die Finanzierung zum Erhalt des Areals als Industriedenkmal.


Übrigens wurde im Amberg-Sulzbacher Land nicht nur Erz abgebaut. Im Mittelalter befand sich bei Freihung die größte Bleierzlagerstätte Europas (Grube Venus) und bei Neukirchen und Königstein wurde bis in die Nachkriegszeit Farberde abgebaut. Sand und Kalkstein wird noch heute in Gruben und Steinbrüchen gewonnen. Und in großen Tagebau-Arealen bei Hirschau und Schnaittenbach wird das für die Porzellan- und Papierindustrie wichtige Mineral Kaolin gefördert.

Der Monte Kaolino bei Hirschau ist eine große Abraumhalde des Kaolinabbaus. Er ist heute Freizeitzentrum mit Lift, Rodelbahn, Freibad und Kletterpark.